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It's New Year 2026 - and I am contemplating about gratitude and half-empty glasses. About my "resilience muscles" and about sharing good stories as a citizen skill. With this in mind, please find below my little experience as a patient in 2025. In our society, there are many things which work really well! Happy New Year and all the best for your 2026! Katharina

Ambiguity has always been there, or hasn’t it? Was everything better in the old days? Or was it worse? Or better and worse at the same time? What do we see? What do we want to see anyway? What do we choose not to see? What happens if different people with different lives, different personalities, different wishes draw different conclusions when observing the same things? Let me share with you 3 ambiguities which make me think: - Sports bar (Frankfurt, every weekend): After a dozen slow-motion replays from all angles. Half of the guests scream that this is the clearest penalty the world has ever seen. The other half angrily nags back that never in the history of football anybody would have given a penalty for that. And even a day later - when emotions have calmed down – educated adults on both sides are convinced that their own club has been systematically disadvantaged. For years. - G20 Summit (Johannesburg, November 2025): Europeans agree somewhat that the world is in decline. Africans rejoice that there is finally so much more to come. Rarely in my professional career as a conflict mediator and facilitator, I have physically sensed such different levels of energy, confidence and self-efficacy in the same room. - Most of us (everywhere, every day): Most of us want public and private institutions to protect us from all risk and evil in the world. And at the same time, we complain about excessive “bureaucracy” and blame it for everything that goes wrong. In open plural societies, democracy by its sheer nature cannot be anything else than ambiguous. It may even come across as confusing. In any case, democracy is always: Inconvenient! Unfortunately, many citizens today believe that democracy is like a giant shopping mall or an Amazon call centre with convenience as the only dominant principle. “I want everything! Immediately! I want politics and administration to cater to my individual preferences. Of course, without me having to contribute anything myself.” Decades of consumerism and customer-centricity narratives have corrupted us. Our consumer muscle was pumped up. Our citizen muscle atrophied. A bit of Trump is in all of us.

Ambiguität hat es immer gegeben, oder doch nicht? War früher alles besser? Oder war es schlimmer? Oder war es vielleicht besser und schlimmer zugleich? Was sehen wir? Was wollen wir überhaupt sehen? Wovor verschließen wir die Augen? Was passiert, wenn unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Leben, unterschiedlichen Persönlichkeiten und unterschiedlichen Wünschen unterschiedliche Schlussfolgerungen ziehen, wenn sie die gleichen Dinge beobachten? Hier 3 Ambiguitäten, die mich zum Nachdenken bringen: - Fußball-Kneipe (Frankfurt, jedes Wochenende): Nach einem Dutzend Wiederholungen in Zeitlupe aus allen Perspektiven. Die eine Hälfte der Gäste schreit, dass dies der eindeutigste Elfmeter sei, den die Welt je gesehen hätte. Die andere Hälfte keift wütend zurück, dass in der Geschichte des Fußballs dafür noch nie ein Elfmeter gegeben worden sei. Und selbst einen Tag später, wenn sich die Emotionen gelegt haben, beteuern gebildete Erwachsene aus beiden Fan-Lagern, dass ihr eigener Verein systematisch benachteiligt würde. Seit Jahren schon. - G20-Gipfel (Johannesburg, November 2025): Die Europäer sind sich irgendwie einig, dass es mit der Welt den Bach runtergeht. Die Afrikaner frohlocken, dass es endlich aufwärts gehen wird. Selten in meiner beruflichen Karriere als Konflikt-Mediator und Facilitator habe ich im gleichen Raum so unterschiedliche Level von Energie, Zuversicht und Selbstwirksamkeit gespürt. - Die meisten von uns (überall, täglich): Die meisten von uns wollen, dass öffentliche und private Institutionen uns vor allen Risiken und vor allem Bösen in der Welt beschützen. Und gleichzeitig beklagen wir die ausufernde "Bürokratie" und machen diese für alles verantwortlich, was schlecht läuft. In offenen, pluralistischen Gesellschaften kann Demokratie ihrer schieren Natur wegen nicht anders sein als uneindeutig. Sie kann sogar verwirrend wirken. In jedem Fall ist Demokratie immer: Unkomfortabel! Leider glauben viele Bürgerinnen und Bürger heute, dass Demokratie eine riesige Shopping-Mall sei oder ein Amazon-Call-Center. Mit komfortabler „Convenience“ als einzigem dominanten Handlungsprinzip. „Ich will alles! Sofort! Ich will, dass Politik und Verwaltung auf meine individuellen Bedürfnisse eingehen. Natürlich ohne dass ich selbst irgendetwas beitragen muss.“ Jahrzehnte des Konsumerismus mit Narrativen à la „Der Kunde ist König“ haben uns korrumpiert. Unser Konsumenten-Muskel wurde aufgepumpt. Unser Bürger-Muskel verkümmerte. Ein wenig Trump ist in uns allen. (inspiriert vom ägyptischen Surrealisten Georges Henein, 1930er Jahre, Zeitz MOCAA, Cape Town 2017) Selbstverständlich braucht unsere pluralistische Demokratie ein Upgrade und Anpassungen an die technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Niemand widerspricht, dass radikale Reformen nötig und dringend sind. Aber wir sollten uns ehrlich machen: Die größten Hindernisse für eine revitalisierte Demokratie sind NICHT nur die anderen! Demokratie hängt zuallererst von uns selbst ab. Und davon, wie wir unsere eigenen (primitiven) Instinkte managen und wie wir mit der schmerzhaften „Nicht-Convenience“ von Veränderung umgehen. Ich wünsche uns allen in diesem Jahr, dass wir unsere Ambiguitätstoleranz trainieren, dass wir aufhören, die Schuld bei anderen zu suchen und ja, really, dass wir „Nicht-Convenience“ als unerlässlichen Change-Katalysator in Demokratien umarmen. Herzlichst Euer Torsten

Seit 2002 folgen wir unserer Berufung, die Filterblasen einer polarisierten Gesellschaft konstruktiv zu vernetzen. Als wir vor 2 Wochen auf einer Konferenz Friedrich Moser kennen lernten, den Regisseur des Films „How to build a truth engine“ ( Trailer ), war uns sofort klar, dass wir diesen großartigen Film als Inspiration und Katalysator für einen offenen Dialog rund um „Citizen Skills Matter“ nutzen wollen. Zu den folgenden Fragen und zu den vielen anderen, die möglicherweise getriggert werden: Welche Gesellschaft wollen wir Bürgerinnen und Bürger mithelfen zu gestalten? Welche Rollen spielen dabei „Wahrheiten“? Sind sie hilfreich oder gefährlich oder beides? Wie gehen wir mit den zahlreichen, sich überlappenden Ambiguitäten in unseren Gesellschaften um? Welche Demokratie-Muskeln kann, sollte oder muss jede/r von uns selbst trainieren? Für diesen Zweck werden wir einen kleinen „Pop-up-Kino-Dialog-Space“ schaffen. Es gibt kein Podium, kein Panel, keine Hierarchie. Sondern Bürgerinnen und Bürger auf Augenhöhe, die einander aktiv zuhören, ohne vorschnell zu bewerten. Die ihre Selbstgewissheit zügeln und den Zweifel zulassen. Und die vielleicht sogar lustvoll spekulieren und Spaß haben. In gewisser Weise halt ein Labor emergenter Demokratie. 😊 Das „Tokonoma“ mit seinem innovativem Unternehmer-Team ist dafür ein toller Ort: “Not a venue. A living system where music, design, and community meet.” Wir haben Menschen verschiedener Filterblasen aus dem Rhein-Main-Gebiet eingeladen. Solltet Ihr woanders leben, aber am 16. November in Frankfurt sein können, meldet Euch bitte bei uns. Für diese geographische Diversität haben wir ein kleines Kontingent reserviert. Wir freuen uns riesig auf die Zeit mit Euch! Eure Katharina und Torsten

Ein Tag im Juni 2025 in Frankfurt am Main. Ich bin gerade auf dem Weg zum Bahnhof. Eiligen Schrittes und vielleicht einen Moment zu unachtsam. Ich stolpere und falle auf das holprige Kopfsteinpflaster. Mein Oberschenkelhals macht "Krack". Danach: Krankenwagen, Blaulicht, Unfall-Klinik, OP... "Was für ein Unglück!" sagte meine Nachbarin ein paar Wochen später. "Du bist doch noch viel zu jung für so einen Unfall!" Natürlich hat sie Recht. Einerseits. Weil, hey, ich kann immer noch kein Rad fahren und habe immer noch Schmerzen beim Laufen. Das ist selbst für meine vergleichsweise stark ausgeprägte Resilienz eine Prüfung! ;-) Andererseits. Was hatte ich für ein Glück! Die Schmerzen werden vergehen. Und viele gute und wichtige Erfahrungen werden bleiben: 🖤 Die DRK-Rettungssanitäter im Krankenwagen waren großartig! Extrem mitfühlend, hilfsbereit, die Ruhe selbst und absolut professionell! 🖤 In der Uniklinik Frankfurt, in die man mich brachte und in der ich operiert und einige Tage lang wirklich gut versorgt wurde, konnte ich das erste Mal in meinem Leben selbst einen Krankenhaus-Alltag hautnah erleben. 🖤 Wo kann man heutzutage den Wert unserer Zuwanderungsgesellschaft besser sehen als in einem öffentlichen Krankenhaus? Wo wären wir ohne all diese engagierten Ärzt:innen, Pfleger:innen, Physiotherapeut:innen, Reinigungskräfte, Servicekräfte...? 🖤 Wo trifft man auch auf Seite der Patient:innen alle gesellschaftlichen Schichten und alle kulturellen Hintergründe? 🖤 Und wo kann man noch beobachten, dass trotz aller Reformbedarfe, die es im Gesundheitssystem, in Krankenhäusern und der Gesellschaft gibt, ein Arbeiten "Hand in Hand" über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg so gut funktioniert? Und in dem nicht zuerst gefragt wird, wer Du bist und wieviel Geld Du hast, bevor man Dir hilft. 🖤 Und auch draußen auf der Straße - nach meinem Krankenhausaufenthalt - wurde ich oft von der Hilfsbereitschaft und Empathie mir wildfremder Menschen positiv überrascht! Selbst in meinem Kiez, dem Frankfurter Bahnhofsviertel, wo die Hilfsbereitschaft ohnehin immer größer ist als anderswo in der Stadt. Ich weiß jedenfalls, dass ich ohne die mitfühlende Hilfe und den Zuspruch all dieser vielen Menschen heute noch nicht wieder so gut zu Fuß wäre. DANKE Euch Allen!! Bitte teilt alle Eure Geschichten, bei denen Ihr Hilfe, Empathie und Menschlichkeit erlebt oder beobachtet habt. Von Menschen, die Ihr vorher noch nicht kanntet. Wir alle sollten mehr darüber sprechen!

Seit 2013 appelliere ich an Menschen aus allen Filterblasen der Gesellschaft, Verantwortung für unsere Gesellschaft zu übernehmen, sich selbst an die eigene Nase zu fassen und nicht fortlaufend über alles und jeden zu jammern und den peinlichen Gestus des pauschalen Politik-Bashing zu zähmen. Jetzt ist 2025, und das gegenseitige Gekeife ist sogar noch schlimmer geworden. Ich spreche daher noch mal das Unsagbare aus: Wir Bürgerinnen und Bürger sind ja vielleicht doch SELBST verantwortlich für unsere Gesellschaft und was in ihr passiert. Diese Banalie auszusprechen gilt mittlerweile als Tabu oder gar als ein Sakrileg, ich weiß… 80 Jahre Frieden und Wirtschaftswunder haben die deutschen Bürger bequem gemacht. Es lief ja auch lange recht gut. „Die Wähler haben immer Recht“ sagten und sagen Politiker nicht nur an Wahlabenden. Das ist in den Bürgern vielleicht zu Kopf gestiegen. Wenn jeden Tag von der Verbesserung der Nutzer-Erfahrung und vom Kunden, der König sei, gefaselt wird, dann werden – nicht überraschend - Bürger irgendwann zu „Konsumenten“ von gesellschaftlichen Prozessen: Sie jammern über den schlechten Service, wechseln ständig den Anbieter und erzählen allen von den eigenen schlechten Erfahrungen. Jenen, die es hören, und auch jenen, die es nicht hören wollen. In allen (demokratischen) Ländern wünschen sich Bürger von Regierungen und Oppositionen, dass jene gefälligst die Zumutungen der Realität wegzaubern sollen. Alle Experten rund um demographischen Wandel und Rentensysteme sind sich einig, dass wir angesichts unserer Demographie nur zwischen Kürzung der Renten, Erhöhung der Rentenbeiträge, Anhebung des Renteneintrittsalters, einem Mindestmaß an Migration oder Kombinationen von jenen Optionen wählen und wir als Gesellschaft diese schmerzhaften Güterabwägungen diskutieren müssen. Gleichzeitig sagen ca. zwei Drittel der Bürger, dass sie alle Alternativen blöd finden. Schwierige Regierungsbildungen oder Koalitionskräche liegen in letzter Konsequenz natürlich in der Verantwortung der Bürger, die jene Politiker belohnen, die primitive Instinkte ansprechen und pragmatische Kompromisse ablehnen. Und die meisten Medien spielen dieses Spiel mit und verstärken es durch die ständige Dramatisierung von (oft nichtigen) Kleinigkeiten. Es ist eine Binsenweisheit, dass bei jeder grundlegenden Veränderung und Transformation manche Dinge erst mal schlechter werden. Die spürbaren Verbesserungen kommen erst mit Zeitverzug. Politiker, die sie im Sinne ehrlicher und transparenter Kommunikation aussprechen würden, würden von einer Shitstorm-Kakophonie in kürzester Zeit hinweggefegt. Und die andern Politiker, die diese Shitstorms lostreten oder billigend in Kauf nehmen, schießen in den Beliebtheitsumfragen nach oben. Wenn unser Kindergarten-Kind sagt, dass alle anderen um es herum blöd und schuld an allem seien und es selbst als einziges nicht, dann lächeln wir milde und werden in unserer Erziehung noch mehr auf Fremd-/Selbstbild-Abgleiche und Verantwortungsübernahme achten. Wenn unsere erwachsenen Freunde sagen, dass alle anderen blöd und schuld an allem seien, dann stimmen wir ihnen zu und plappern es nach. Die verschiedenen Filterblasen nehmen sich dabei nichts. Inhalte und Sprache mögen sich unterscheiden, aber die Muster sind in allen Filterblasen gleich. Egal ob links oder rechts. Egal ob woke oder anti-woke: Die Suche nach der jeweils radikalsten und nicht-repräsentativen Ausreißer-Aussage von einem Außenseiter im anderen Lager, um sich daran aufzuhängen und um die eigene Filterblasen aufzuwiegeln („Hast Du schon gesehen, was die wieder für einen Schwachsinn wollen?“), die „ad hominem“ Abwertung der politischen Gegner und die Selbstgewissheit, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen. Nein, es gibt keine einfachen Lösungen für die großen Herausforderungen unserer Gesellschaft und unserer Welt. Eine pluralistische Gesellschaft muss Haltungs- und Meinungsvielfalt aushalten und vielleicht sogar als Chance begreifen, um die besten Ideen von allen nutzen zu können. Ich erwarte von Euch Mitbürgern, zumindest zu versuchen, in regelmäßigem Kontakt auch mit Menschen zu sein, die völlig anders leben als Ihr selbst. Und – ich gehe noch weiter - sogar dafür zu kämpfen, dass politisch Andersdenkende mit Euch öffentlich diskutieren dürfen. Mir ist es wirklich völlig egal, was Ihr in den nächsten Wahlen wählen werdet, aber versucht verdammt noch mal, nicht nur die halbleeren Gläser, sondern auch die Chancen zu sehen. Und hört auf, nur am Spielfeldrand zu stehen und zu jammern, und übernehmt endlich Verantwortung für die Herausforderungen unserer Gesellschaft! Bürger Torsten PS: Es gibt in allen politischen Lagern tolle Menschen, die sich in ihrer Rolle als Bürger großartig in unsere Gesellschaft einbringen. Jene nehme ich explizit von meinem kritischen Appell aus! Leider sind sie die Minderheit. PPS: Gendern oder Nicht-Gendern? Beides erzeugt Shit-Stürme und führt bei der Hälfte der Leserinnen und Leser dazu, dass sie nicht weiterlesen. Um alle zu erreichen, habe ich mich daher entschieden, in meinen Texten abzuwechseln.
In den letzten 5 Jahren waren meine Neujahrs-Gedanken Erinnerungen an „Citizen Skills“, die wir als Bürger:innen trainieren sollten, damit Demokratie funktionieren kann. Und natürlich mache ich damit weiter… 😊 In diesem Jahr werde ich ein Plädoyer für Kompromisse halten, weil diese “core features“ einer Demokratie in 2024 so unpopulär geworden sind, dass sie meine (und Eure) Unterstützung benötigen.
In the last 5 years, my New Year thoughts have been reminders of citizen skills which we need to train to make democracy work. And of course, I am carrying on with it... 😊 This year, I’ll make a plea in favour of compromises, because these core features of democracy have become so unpopular in 2024 that they need my (and your) support.
("Ubuntu Awards", Cape Town, 10 February 2024) It was amazing to see how very different parts of South African society came together and celebrated their various achievements. For many years now, the “Ubuntu Awards” are an important catalyst for South African identity development. Being experts for the transformation of societies and communities ourselves, we know very well that "diplomacy" is so much more than having formally appointed ambassadors residing in the capitals of the world. Broadening the scope of “diplomacy” and involving citizens from all over society (sports, culture, economy and more) as de-facto ambassadors is a great idea which should serve as an inspiration to the world. As South Africans (in our heart) and progressive citizens of the world, we immensely enjoyed this atmosphere of togetherness.

Well, it seems that either authoritarian regimes are better in governing countries or they are better in shielding their populations from the inconvenient truths of a modern VUCA world. But - wait a minute - what about the followers of those leaders? What about their (realistic) expecations? What about their skills when evaluating government performance in times full of complexity? I dare to ask the unspeakable: Is it maybe the simplistic and primitive instincts of populations which also have an impact on government performance? And if so: Is there anything we can also learn about the population in a country when they trust or don't trust their government?
